20. Juni 2012

Nicht jedes mattschwarze Auto mit kariertem Dach und 76-Aufkleber (evtl. noch auf bunten Stahlfelgen mit Weißwand-Reifen-Optik) ist automatisch eine Ratte. Auch wenn entsprechende Ih-Bäääh-Angebote das immer wieder vermuten lassen.

Ratten sind viel mehr gewollt ungepflegt wirkende Fahrzeuge, die aber meist technisch in Topzustand sind, evtl. sogar optimiert bis hochgezüchtet.

Ursprünglich wurde der Begriff Ratte in Motorrad-Fahrer-Kreisen verwendet. Anfangs für ungepflegte, reine Fahrmaschinen, die nie geputzt, jedoch gerne mit allerlei unterwegs am Straßenrand gefundenen Gegenständen behängt wurden. Da glänzender Chrom und Lack die gewollte „gebrauchte“ Optik störten, begann man entsprechende Teile matt zu lackieren, meist mit mattschwarzen Sprühdosen.

Diese Optik wurde dann auch gerne an Autos angewandt, wobei Hot Rods auch schon matt gestrichen wurden, bevor es Sprühdosen gab.

In Motorsport- und Custom-Kreisen wurde meist der Großteil des Budgets in die Technik und/oder in aufwändige Karosserie-Umbauten gesteckt, für die Optik blieb dann nur Geld fürs Nötigste übrig. So wurden hochgezüchtete Fahrzeuge dann nur grundiert (Primer-Look) oder matt lackiert, oft mit Pinsel oder Rolle.

Aus dieser Notlösung wurde dann ein Stil: der Rat-Look oder die Ratten-Optik.

Anfangs eher bei potenten Autos mit gepflegter Technik und gewollt ungepflegter Optik, mittlerweile jedoch zunehmend bei stinknormalen Autos mit Sparmotorisierung und ohne besonders auf den technischen Zustand zu achten.

Dazwischen liegen seit einigen Jahren die optisch unrestaurierten Oldtimer wie z.B. der sehr bekannte Linde-VW-T1-Transporter von Walter Jelinek, der mit verwittertem Lack, aber instandgesetzter Technik zu Treffen bewegt wurde.

Durch Fahrzeuge wie diesem wurde es modern, mit extrem tiefen VWs in verwahrlostem Zustand auf Treffen aufzukreuzen, um die Szene der Originalrestauratoren bzw. der Edeltuner zu schockieren. Daraus entstand eine weitere Spielart der Ratten: die Hoodrides. Dies sind Fahrzeuge, die wegen gewollter oder altersbedingter Mängel wie Rostschäden oder unfahrbar tiefer Fahrwerke nur noch sehr bedingt fahrtauglich sind.

Allgemeine Merkmale von Ratten sind meist:

  • Matter Lack, oft schwarz, aber auch in allen erdenkbaren Farben wie Olivgrün, Beige, Grau, Rotbraun, etc.
  • Oder verwitterter Originallack
  • Fahrwerkstieferlegung, weniger aus sportlichen Gründen, vielmehr zur Unterscheidung vom Serienzustand
  • Auch bei eher unsportlichen Basisfahrzeugen gerne Zubehör oder Aufkleber aus dem Motorsportbereich wie der fast unvermeidliche 76-Antennenball, Karos auf dem Dach, GT-Streifen quer übers Auto, alte Sponsoren-Aufkleber, etc.
  • Stahlfelgen oder unmoderne Alufelgen, evtl. in Kontrastfarben, gerne mit Chromringen oder –kappen oder Weißwandreifen.
  • Sportliches Interieur-Zubehör wie Sportlenkräder, Schalensitze
  • Bei anständigen Ratten: Ordentliche Motorisierung und entsprechende Brems-Lenkungs- und Fahrwerks-Technik!

Für alle diese Zutaten gilt aber: Bloß keine gepflegte Optik!




Kommentar hinterlassen

Before you submit form:
Human test by Not Captcha